Das Brettacher Schulhaus als Gemeindebad

Nach dem 2. Weltkrieg, als der Wiederaufbau noch in vollem Gange war, herrschte noch großer Raummangel im Dorf. Vor allem gab es in fast keinem Haus ein Badezimmer. Dieser Luxus war erst in einigen neuerbauten Häusern anzutreffen. So war es vor und während des Krieges üblich, am Samstag eine Zinkwanne oder einen geeigneten Zuber vom Keller in die Wohn- oder Waschküche heraufzuholen und mit mühsam auf dem Kohleherd erhitzten Wasser zu füllen. Es kam immer häufiger das Verlangen auf, eine festinstallierte Wanne und einen Badeofen im eigenen Badezimmer zu besitzen. Bis es so weit war, beschloß der fürsorgliche Gemeinderat, für unsere Brettacher Bevölkerung öffentliche Wannenbäder und Duschen bereitzustellen.

Es lag also nahe, im neu zu bauenden Schulhaus auch gleich die benötigten Badeeinrich- tungen zu installieren. Das wurde mit eingeplant und auch ausgeführt. Im Erdgeschoß, gleich unter der Treppe, führte eine Tür in einen größeren Umkleideraum, der von einer Schulklasse (entweder Mädchen oder Buben) genutzt werden konnte. Von diesem Raum aus führte eine Tür in einen größeren Duschraum mit etwa 10 Duschen, die in der Raummitte an der Decke befestigt waren.

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Neben diesem Duschraum, jedoch separat vom Gang aus zu erreichen, befanden sich drei Türen, die jeweils in eines von drei Wannen-Badezimmern führten.

Die damalige Hausmeisterin der Volksschule, Frau Hilde Vossler, begann am Samstag bereits gegen 5 Uhr in der Frühe damit, die Koksheizung in Gang zu bringen. Im Winter mußte dies auch für den täglichen Schulbetrieb geschehen. Ab 14 Uhr begann dann der Badebetrieb. Nachdem Frau oder Mann für 60 Pf eine Eintrittskarte gelöst hatte, wurde dann etwa eine halbe Stunde lang ausgiebig in der Wanne gebadet, bei einer großen Warteschlange vielleicht nicht so lange.

Nach jedem Bad wurden die Wannen von der Hausmeisterin gereinigt und die nächsten Gäste konnten in die Wanne klettern. Zuweilen war der Andrang so groß, daß der letzte Badegast erst gegen 24 Uhr das Bade- und Schulhaus verlassen hat. Bis 1961, also 10 Jahre lang, herrschte im Schulhaus jeden Samstag ein solch reger Badebetrieb. Das änderte sich aber schlagartig, als immer mehr Badewannen in den Wohnungen der Bürger installiert wurden.

Erzählt von Barbara Schlegel aus Brettach, Internettext in arbeitsteiliger Gruppenarbeit geschrieben von Karin Traub, Sandra Simpfendörfer, Gerhard Salmen, Alper Bayir (alle Klasse 4b)